Das Jahr 2026 wurde von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zum „Internationalen Jahr der Bäuerin“ erklärt. Ziel ist es, den unverzichtbaren, aber oft übersehenen Beitrag von Frauen zu den globalen Agrar- und Ernährungssystemen hervorzuheben. Frauen stellen einen bedeutenden Teil der weltweiten landwirtschaftlichen Arbeitskräfte dar und sind in allen Wertschöpfungsketten der Agrar- und Ernährungswirtschaft unverzichtbar. Wie sieht es in der Schweizer Landwirtschaft aus? Dieser Artikel stellt die Situation der Frauen in der Landwirtschaft aus statistischer Sicht dar:
Frauen in der Schweizer Landwirtschaft
Im Jahr 2024 wurden in der Schweiz 47 075 Betriebe der Landwirtschaft gezählt. In 1 100 Betrieben sind ausschliesslich Frauen tätig, in 11 822 nur Männer. Als Fachfrauen, Betriebsleiterinnen, Angestellte, Erntehelferinnen oder ehrenamtlich Engagierte prägen Frauen die Landwirtschaft massgeblich. Von den 147 876 Beschäftigten in der Landwirtschaft sind 54 151 Frauen, was einem Anteil von 37 % entspricht. Seit 2014 liegt dieser Anteil stabil zwischen 35 % und 37 %. Zum Vergleich: Über alle Wirtschaftszweige hinweg lag der Frauenanteil 2024 bei 46 %. Damit ist er in der Landwirtschaft unterdurchschnittlich.
Mehrheitlich Teilzeit beschäftigt
Im Jahr 2024 arbeiteten 76 % der Frauen Teilzeit in der Landwirtschaft, während 24 % Vollzeit beschäftigt waren. Beim männlichen Bauer lag der Anteil bei 44 % Teilzeit und 56 % Vollzeit. 74 % aller Beschäftigten sind Familienangehörige, was die starke Prägung durch bäuerliche Familienbetriebe zeigt. Der Frauenanteil bei den Familienarbeitskräften beträgt 38 %. Bei familienfremden Beschäftigten – also Ganzjahres- und Saisonangestellten – liegt er mit 34 % etwas tiefer. Ein Vergleich zeigt zudem: In biologischen Betrieben ist der Frauenanteil mit knapp 40 % höher als in konventionellen Betrieben (36 %). Biobetriebe beschäftigen im Durchschnitt auch mehr Arbeitskräfte pro Betrieb.
Beschäftigung in den Betrieben 2024
| Kategorie | Total Beschäftigte | Anteil am Total | Total Frauen | Anteil an Total Frauen | Frauenanteil in der Kategorie |
|---|---|---|---|---|---|
| Beschäftigte | 147 876 | 100% | 54 151 | 100% | 37% |
| Vollzeit | 65 523 | 44% | 13 205 | 24% | 20% |
| Teilzeit | 82 353 | 56% | 40 946 | 76% | 50% |
| Familienangehörige | 108 961 | 74% | 40 899 | 76% | 38% |
| Familienfremde | 38 915 | 26% | 13 252 | 24% | 34% |
| Schweizer/-innen | 128 692 | 87% | 47 703 | 88% | 37% |
| Ausländer/-innen | 19 184 | 13% | 6 448 | 12% | 34% |
| In Biobetrieben | 27 696 | 19% | 11 007 | 20% | 40% |
| In konventionellen Betrieben | 120 180 | 81% | 43 144 | 80% | 36% |
| Betriebsleitung | 47 075 | 32% | 3 615 | 7% | 8% |
Quelle: BFS – Landwirtschaftliche Strukturerhebung © BFS 2026
Häufiger im Pflanzenbau tätig
Frauen arbeiten in allen acht Betriebstypen der Landwirtschaft. Die Mehrheit ist in spezialisierten Weideviehbetrieben tätig. Rund 26 500 Frauen – also fast die Hälfte – arbeiten in diesem Bereich, der auch der häufigste Betriebstyp der Schweiz ist (inkl. Milchviehbetriebe). Der Frauenanteil variiert je nach Betriebstyp zwischen 34 % und 44 %. Am höchsten ist er in Pflanzenbauverbundbetrieben und spezialisierten Gartenbaubetrieben. Es folgen Dauerkulturbetriebe wie etwa der Weinbau. Am niedrigsten ist der Anteil in spezialisierten Veredlungsbetrieben, etwa in der Geflügel- oder Schweinehaltung.
Immer mehr Frauen an der Betriebsspitze in der Landwirtschaft
Immer mehr Frauen übernehmen die Leitung von Landwirtschaftsbetrieben. 2005 lag ihr Anteil noch bei 4,3 %, 2014 bei 5,2 %. Bis 2024 stieg er weiter auf 7,7 % an – das entspricht 3 615 Betriebsleiterinnen. Der Anteil von Betrieben mit weiblicher Leitung unterscheidet sich stark zwischen den Kantonen. Am niedrigsten ist er im Kanton Nidwalden mit 3,8 %, am höchsten im Kanton Basel-Stadt mit 23 % (bei insgesamt wenigen Betrieben). Danach folgen die Kantone Tessin, Genf und Wallis. Insgesamt zeigt sich: In der West- und Südschweiz ist der Frauenanteil höher als in der Innerschweiz.
Tendenziell kleinere Betriebe in Frauenhand
Sowohl Frauen als auch Männer führen am häufigsten Betriebe mit einer Fläche von 10 bis 19 Hektaren. Frauen leiten jedoch häufiger kleinere Betriebe:
- 54 % der Frauen bewirtschaften weniger als 10 ha
- Bei den Männern sind es 26 %
Bei grossen Betrieben über 50 ha stehen 3 367 Männer, aber nur 92 Frauen an der Spitze. Der Anteil von Betriebsleiterinnen ist bei nebenberuflichen Betrieben mit 13 % deutlich höher als bei hauptberuflichen (5,5 %).
Alter der Betriebsleiterinnen
44 % der Betriebsleiterinnen sind über 55 Jahre alt, jede dritte sogar über 60. Junge Betriebsleiterinnen sind selten. Generell verschiebt sich das Alter der Betriebsleitungen nach oben. Betriebe werden später übergeben, und Neueinsteigende sind älter. Nur rund 21 % der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sind unter 40 Jahre alt. Ein spezieller Fall ist die Übergabe eines Betriebs an eine etwas jüngere Partnerin. Hintergrund ist die Alterslimite für Direktzahlungen: Ab 65 Jahren werden keine Zahlungen mehr gewährt. Dies könnte erklären, warum viele Betriebsleiterinnen über 55 Jahre alt sind.

Wichtiges Einkommen ausserhalb des Betriebs
Das Einkommen landwirtschaftlicher Haushalte setzt sich aus landwirtschaftlichen und ausserlandwirtschaftlichen Quellen zusammen.
2024 betrug:
- das landwirtschaftliche Einkommen durchschnittlich 78 100 Franken
- das ausserlandwirtschaftliche Einkommen 37 600 Franken
Davon stammen 27 100 Franken (72 %) aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit ausserhalb des Betriebs. Im Schnitt macht dieses externe Einkommen 23 % des Gesamteinkommens aus. In Berg- und Hügelregionen ist seine Bedeutung mit bis zu 26 % sogar noch höher. Frauen und Männer tragen mit jeweils rund 13 500–13 700 Franken gleichermassen zu diesem Einkommen bei.
Frauenanteil an der Ausbildung zum Bauer steigt stetig – 2024 schon 21%
Landwirtschaftliche Berufe sind vielseitig und bieten die Möglichkeit, mit Natur, Tieren, Pflanzen, Maschinen und neuen Technologien zu arbeiten sowie Lebensmittel zu produzieren.
Der Frauenanteil in der Ausbildung zur Landwirtin EFZ steigt kontinuierlich:
- 2005: unter 10 %
- vor 10 Jahren: 12 %
- 2024: 21 %
Von 1 197 Absolventinnen und Absolventen im Jahr 2024 waren 254 Frauen. In den letzten zehn Jahren haben rund 1 900 Frauen den Abschluss erlangt.
Frauen in landwirtschaftsnahen Berufen
Besonders hoch ist der Frauenanteil in Berufen mit Tierbezug, etwa:
- Tiermedizinische Praxisassistentin (95 %)
- Pferdefachfrau (91 %)
Auch hauswirtschaftliche Berufe sind stark weiblich geprägt. Die Arbeit mit Tieren und deren Wohl scheint ein wichtiger Faktor bei der Berufswahl zu sein. Bei den klassischen landwirtschaftlichen Berufen ist insbesondere die Ausbildung zur Gemüsegärtnerin mit einem Frauenanteil von 38 % beliebt.
Beliebte Ausbildung zur Bäuerin
Die Ausbildung zur Bäuerin bzw. zur bäuerlichen Haushaltleiterin mit Fachausweis gehört zur höheren Berufsbildung. Nach einem starken Anstieg ab 2020 schliessen jährlich über 200 Personen diese Ausbildung ab. 2024 waren es 266 Frauen und ein Mann. Seit 2019 haben insgesamt nur fünf Männer diesen Abschluss erreicht. Auch die höhere Ausbildung (Meisterprüfung) ist klar weiblich geprägt: 2024 schlossen vier Frauen ab, Männer keine.
Mehr Frauen als Männer an Agronomie Fachhochschulen und ETH
2024 schlossen 52 Frauen und 45 Männer ein Agronomie-Bachelorstudium an Fachhochschulen ab. Auch insgesamt zeigt sich: Frauen sind an Fachhochschulen in der Agronomie leicht in der Mehrheit. An der ETH Zürich haben in den letzten zehn Jahren ebenfalls mehr Frauen als Männer abgeschlossen:
- Bachelor: 270 Frauen, 215 Männer
- Master: 232 Frauen, 198 Männer
- Doktorat: 112 Frauen, 82 Männer
Quelle: Schweizer Bundesamt für Statistik: „Frauen in der Schweizer Landwirtschaft“






