Claude Lachat – „Ferientraum(a)“ – Kolumne des Schweizer Schriftstellers

Claude Lachat Schweizer Schriftsteller auf HappyTimes

Die HappyTimes-Kolumne des Schweizer Schriftstellers Claude Lachat. 

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Ferientraum(a)

Ich kroch mit letzter Kraft und zerfetzten Hosen durch den weissen Strand und habe unter tropischer Hitze überlebt. Der Barkeeper fragte mit einem anerkennenden Blick: auf Eis, wie immer? Yes! Heroes trinken wie wenn nichts geschehen wäre. So oder ähnlich beginnen Urlaubsalbträume. Urlaub, alleine schon das Wort klingt nach Hängematte, sanftem Meerrauschen und farbigen Longdrinks mit klirrenden Eiswürfeln. Doch was bei Instagram aussieht wie ein Traum, entpuppt sich in der Realität oft als der Anfang vom nervlichen Ende. Dank KI wähne ich mich an Orten, die es so gar nicht gibt.

Es gab anderes und begann bereits beim Abflug. War ja klar. Mein Koffer mit Camouflage-Anstrich hatte entschieden, eine eigene Abenteuerreise zu unternehmen. Vermutlich nach Island. Oder in den Kongo. Ich hingegen flog mit Handgepäck ohne Tarnanstrich und einer «Gugge» Gummibärchen in den tiefen Süden. Immerhin, das Bordmenü war lecker. Es gab Hähnchensandwich mit warmer Cola (war das wirklich Huhn?). Egal, der Traum nahm seinen verheerenden Verlauf. Im glänzenden Prospekt stand: stilvolles Boutique-Hotel mit seitlichem Meerblick. Ich echt: ein ehemaliger Schafstall mit direktem Blick auf den Aldiparkplatz. Der war so gross, man konnte das Ende am Meer nur erahnen. Mehr gab es nicht zu sehen. Das Fenster im Zimmer liess sich nicht öffnen, zog jedoch sämtliche Insekten an, die es gab. Ich glaube es waren Mücken. Riesengross, die Viecher. Das Meerrauschen? Kam vom defekten Spülkasten. Dann spielte sich der Klassiker ab. Die Show, besser das Drama, begann um vier Uhr morgens. Es stürmte eine Frau namens Bertel die Grosse, eine germanischen Mythologiegestalt, mit vierzehn Handtüchern den menschenleeren Poolbereich. Ihr folgten noch mehr Bertels mit Handtüchern. Sämtliche Liegen, sogar die defekte hinter dem Müllcontainer, waren mit Tüchern aller Nationalfarben und Fussballvereinen belegt. Ich wusste gar nicht, dass es einen FC Bitsch gab. Am Ende lag ich auf keiner Liege, wurde dafür in den Po gestochen. Von einer Riesenmücke. Wahrscheinlich die grösste von meinem Fenster.

Sitzen war kein Thema mehr, eher die Sonnencreme des Todes. Ich kaufte Sonnenbrandverhinderercreme der Marke «Sol Protection Ultra Power». Die roch jedoch eher nach wässriger Mayonnaise und zog die UV-Strahlen magisch an. Ergebnis: ich präsentierte mich wie ein Hummer auf Toast mit fettiger Butter. Kinder zeigten entsetzt mit dem Finger auf mich, die Möwen kreischten panisch und den Mücken wurde grottenschlecht. Ich leuchtete sogar im Dunkeln!

Nun, kulinarisch wurde auch etwas geboten. Ich wusste sofort, als sich die Pasta Carbonara von selbst bewegte, heute isst Du keine Spaghetti. Da war ich gnadenlos. Ich entschied mich für Reis. Schwarzen Reis aus dem Tal der vielen Könige. Der war echt lecker. Ich kann übrigens lügen ohne rot zu werden.

«Wollen Sie bei der Wassergymnastik mitmachen?», fragte mich Detlef alias Mister Bizeps, blond, 1.95 gross, 12% Körperfett. Ich verscheuchte eine Mücke. Mit dem Kopf. Für Chantal, die dauergrinsende Animateurin im hautengen Leopardenbadeanzug (war das tatsächlich eine Frau?) mit der Energie eines Duracell-Hasen auf Red Bull, ein Zeichen. Meine Zustimmung. Sie legte Musik auf. Atemlos durch die Nacht.

Minuten später, lag ich wie ein gestrandeter Wal im verdächtig warmen Kinderbecken und liess mich von Detlef anbrüllen, pardon, motivieren. «Find your Soul!» Ich finde Seitenstechen. Und von dem jede Menge. Nebenbei war ich davon überzeugt, dass das Kind neben mir unerlaubt das Wasser erwärmte. Ein (Alb-) Traum sondergleichen. Aber hey, jetzt habe ich Stoff für zehn Familienfeiern, drei Therapiesitzungen und eine Kolumne. Ob ich wieder von Ferien träume? Fragen Sie mich in einem Jahr wieder, oder wenn mein Koffer zurückkommt.

Website von Claude Lachat: www.claude-lachat.ch

Bücher von Claude Lachat

Claude Lachats neuer Krimi „Tödliches Rezept – Muttertag zum Zweiten“

Claude Lachat ist Autor und Texter. Sein neuster Krimi Tödliches Rezept – Muttertag zum Zweiten (IL Verlag) ist im Handel unter der ISBN-Nummer 978-3-906240-27-5 erhältlich. Mit persönlicher Widmung des Autors auch per Email unter buch@claude-lachat.ch.

Auch als E-Book erhältlich unter:
info@il-verlag.com
IL Verlag Basel

Krimi von Claude Lachat „Tödliches Rezept – Muttertag zum Ersten“

Claude Lachat - Muttertag zum Ersten

Claude Lachats Krimi Muttertag zum Ersten (IL Verlag) ist im Handel oder mit persönlicher Widmung unter www.claude-lachat.ch  erhältlich.

Auch als E-Book erhältlich unter:
info@il-verlag.com
IL Verlag Basel

Bilder: © Claude Lachat

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