„Einmal Mofa einlösen, bitte.“ Kolumne des Baselbieter Schriftstellers Claude Lachat


Die HappyTimes-Kolumne des Schriftstellers Claude Lachat

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Einmal Mofa einlösen, bitte.

Ein Töffli einlösen, das war mein Plan! Selbstverständlich habe ich an die hochschätzen Beamten gedacht und mich entsprechend vorbereitet! Mit dem Blech und Ausweis in der Hand spreche ich in der menschenleeren (Ferienzeit!) Halle der Motorfahrzeugkontrolle vor. Einmal einlösen, bitte!

Das Blech mit der tollen Nummer behalte ich. Einfach nur die neue Vignette aufkleben. Bitte! Man soll ja freundlich sein. Wohnt der Verkäufer im selben Haushalt wie Sie? Hä? Keine Ahnung wo der Töffli-Dealer wohnt. Also nein. Dann benötigen Sie ein neues Blech. Hä! Wieso? Das ist so. Aha. Wird teuer, befürchte ich. Es wurde teuer. Zahlen Sie bar oder mit Rechnung? Bar. Oh, dann müssen Sie an die Kasse. Mein Blick wandert kurz zum Kabäuschen in der menschenleeren Halle. Hm, kein Problem, ist ja keiner da grinse ich. Der Beamte grinst nicht. Ah ja, wenn ich schon da bin frage ich ganz höflich nach, ist der Antrag für die Theorieprüfung bei Ihnen eingegangen? Er hätte keinen Zugriff und überhaupt sei eine andere Stelle für derartige Anliegen zuständig. Aha. Die MFK ist ja noch mit Zählrahmen ausgerüstet. Da geht so was natürlich nicht denke ich zähneknirschend. Ab an die Kasse.

Sie wollen etwas einzahlen? Ich lasse mir die Frage des Beamten auf der Zunge zergehen und schiele unauffällig nach oben. KASSE, prangt da in riesigen Lettern ein Schild. Einzahlen, ja gerne. Was sonst? Den letzten Satz hört er nicht. Zuhause lege ich das teure Blech vorsichtig auf die Seite und rufe die andere MFK an. Auf meine Frage ob denn mein Antrag (der meiner Tochter notabene) eingegangen ist beantwortet der freundliche Beamte mit ja. Mehr noch. Das Papierchen sei bereits mit der Post unterwegs. Super, juble ich angemessen leise, damit ich den Mann ja nicht erschrecke. Könnten Sie mir die Registernummer angeben? Nein. Wieso, das Ding ist zu mir unterwegs. Geht nicht. Was zum Henker … !

Mit einlullenden Worten erschleiche ich mir beim menschgewordenen Beamten die Registernummer. Halleluja, endlich kann ein Termin für die Prüfung fixiert werden. Zum Glück arbeite ich mit PC und nicht mit Zählrahmen. Flugs die Zahlen samt Geburtstag meiner Tochter eingetippt und: ENTER: Dieser Vorgang kann nicht abgeschlossen werden. Hä? Was, wieso? Dieselbe Prozedur wiederholt, dasselbe vernichtende Resultat. Ich rufe an und der Beamtenapparat lässt mich in der Warteschlaufe hängen. HALLO! Ich weiss haargenau dass sich kein Mensch in der Halle befindet (Ferienzeit!)!

Eine freundliche Beamtin erkundigt sich nach meinem Begehren. Registernummer ist falsch, verpacke ich meine Frage vorsichtig in Watte, in der sich jeder Beamte wohlfühlen muss. Tut mir Leid, flötet die Dame mit verräterisch erotischer Stimme, dafür ist die andere MFK zuständig. Ich beisse mir auf die Zunge und erbettle mir bei der säuselnden Telefonstimme einen Ansprechpartner. Die andere MFK-Stimme lässt mich kurz und bündig wissen, dass sie nicht zuständig sei, mich jedoch mit einem Beamten-Profi verbinden könne. Oh ja!

Der Experte, so dünkt mich, will mich nicht mit seiner zackigen Stimme bezirzen. Vielleicht haben Sie die falsche Nummer eingegeben? Ja sicher! Jetzt haben wir den Schuldigen: mich! Nein, ich habe die Nummer wiederholt und kein Beamten-Veto erhalten. Ich lese die Zahlen laut vor und lasse mir erklären, ich hätte die Richtigen. Sag’ ich doch, Herrgott nochmal! Dass die elektronische Übertragung via kantonalem Computersystem erst über Nacht erfolgt, lässt meinen Beamten-Marathon enden.

Ich bin erledigt! Mein Ohr ist rot, meine Zunge verbissen. Ich schiele nach draussen und lächle meinen Wagen an. Gott sei dank ist der bereits eingelöst!

 

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