Winterthurs neues Einkaufszentrum „Rosenberg“ wurde heute eröffnet – ein erster Augenschein mit Bildern

Rosenberg Center Winterthur

Heute Donnerstag eröffnete nach 2-jähriger Bauzeit das neue Einkaufszentrum Rosenberg in Winterthur. Das neu erstellte Gebäude ragt vierzackig in den Himmel empor; auf den zweigeschossigen Körper des Einkaufszentrums wurden kurzerhand noch 4 komplette Wohnblöcke gesetzt, die nun den Konsumtempel wie vier Kamine krönen und ihm ein titanicsches Aussehen verleihen. In Winterthur hat es ja zum Glück keine Eisberge.

Freundliche Securitassen winken mich bei der Einfahrt tief in den Untergrund, durch klaustrophobe Katakombengänge gleite ich über Rampen immer tiefer Richtung Hades Unterwelt, und immer noch ist kein Feld in Sicht, das es mit meinem breithüftigen Gefährt aufnehmen könnte, Trilliarden von Blechkesseln parken Tür an Tür: es ist Eröffnungstag.

Auch endlich parkiert und im Center angelangt, weicht das katakombische Gefühl immer noch nicht ganz: Als wichtigstes gestalterisches Element und der Hingucker schlechthin, klaffen in der Centerdecke mehrere wabenförmige Öffnungen, die durch ihre vier Meter Tiefe vermuten lassen, man befinde sich in einem Atombunker unter meterdicker Betondecke – ein Gedanke, den man seit Fukushima lieber verdrängt.

Das Center ist riesig. Im Erdgeschoss herrscht luftige Höhe, lange Rolltreppen führen gemächlich in die erste und einzige Etage, von wo aus man einen herrlichen Blick über Läden und Leute, Gassen und Glatzen geniesst. Ein durchsichtiger Glaslift gleitet schräg von oben nach unten, Schindlersche Designkunststücke in Winterthur, die das Ästhetenherz erwärmen, „so en Seich“ sagt ein älterer Mann zur schrägen Glaskiste, beim Aussteigen.

Ein Musiker ganz alleine sitzt auf der riesigen Bühne, die extra zur Eröffnung aufgebaut und mit Musik und Attraktion bestückt wird, und spielt herzzerreissende Melodien auf Gitarre und Mundharmonika, unbeachtet und ungeliebt, wohl gleich den Protagonist in seinen Songs. Knallig dagegen die Farben, die im Center leuchten, kräftiges rot verleitet zur Einkaufssünde, frühlingshaftes Grün bringt Natur und Frische ins Center. Es ist ein bisschen dunkel. Draussen balzen die Vögel unter knallblauem Himmel, doch wir bewegen uns im Center im Dustren, der zwar schöne, dunkelbraune Echtholzboden trägt das Seine noch dazu bei. Das wohl einzige Einkaufscenter mit Parkett. Alles nicht ganz ideal für einen Kaiserwettertag wie heute, doch absolut perfekt für einen verregneten Samstag, den man sich im neuen Rosenberg-Center getrost um die Ohren hauen kann, denn:

Läden hat es hier! Da trumpft das neue Center auf und schöpft aus dem Vollen. Über 40 neue Geschäfte locken mit Angeboten und Auslage, die Shopauswahl ist überragend, die Mischung der angebotenen Geschäfter äusserst gelungen. Von der kleinen Parfümerie bis zum riesigen Kleiderdiscounter finden höherschlagende Shopperherzen alles im neuen Rosenberg. Die Lokale verfügen meist über Aussenfenster, die Helle bringen und die Orientierung erlauben, wo man sich auf der Welt überhaupt befindet. Unrealistisch gigantisch auch ist das Migros-Restaurant, mit geschätzten fünfzigtausend Sitzplätzen, aber auch C&A, NewYorker, Orell Füssli (die Liste liesse sich noch stundenlang erweitern) verleiten mit ihren grossen Lokalen zum Shoppingwahn.

In der luftigen Zentrumsmitte, die Erststöckler können von balkongleichen Ballustraden herunteräugen, verwöhnt das Kafi Spatz mit einer herzigen Cafeteria und lässt einen Augenblick lang müd gelaufenen Hufe ausglühen, umschwärmt und überrannt von hektischen Käufer, die die Eröffnungsangebote tütenvoll nach Hause schleifen.

Einen Espresso lang lasse ich meine Gedanken dem duftend emporwölkenden Kaffeedampf folgen, und tagträume vom alten Rosenbergcenter, klein und überschaulich, eingeschossig und hell, wo viele fröhliche Gespräche im klebrigtischigen Cindy untermalt wurden nicht von melancholischen Gitarrenspielern auf überdimensionierten Bühnen, sondern vom heisshungrig geliebten Satz aus dem scheppernden Lautsprecher: „Pizza Nummere 45 abhole bitte!“

Das neue Center gefällt auch. Moderner, grösser, vielfältiger. Nur das Parkieren ist nicht mehr so komod wie früher auf den grossen Aussenparkflächen und dem luftigen, seitenoffenen Parkdeck unter dem Center. Aber solch kundenfreundlichen und kostenlosen Parkierluxus gibt es heute nur noch in Alpträumen des VCS – und im Glatt.

Auch im neuen Rosenberg heisst es wieder hinunter in die Katakomben, in die Unterwelt, wo unsere ölverschwitzten Blechknechte reifenscharrend auf Betätigung harren um uns wieder heraus aus Hades Schattenwelt wie Herakles einst zurück zum Lichte zu führen. Zuerst noch einen Franken für 31 Minuten Centerwonne ins Groschengrab geworfen um eine Ausreisegenehmigung zu erhalten – der eine Kaffee verteuert sich so gleich um einen Stutz – und schon regeln mich die winkenden Orangewesten wieder freundlich hinaus, durch Geschlängel und Gekreisel, Spurwechselblinken und dreiäugiges Lichtsignalzwinkern Richtung Sonne.

Fazit: Das neue Center ist riesig, sehr vielseitig mit einer Fülle von Geschäften und topmodern ausgestattet. Am besten kommen Sie an einem regnerischen Tag und mit dem Fahrrad. Einen Regenschutz verkaufen sie im Center sicher auch irgendwo.

Text und Bilder: Bürge – Copyright HappyTimes

Homepage des neuen Einkaufszentrums Rosenberg in Winterthur:
www.rosenberg.ch

 

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