Wie die Geschichte der technologischen Entwicklung zeigt, ist es nicht die Technologie selbst, sondern ihre Nutzung durch die Bevölkerung, die ihre Verbreitung und damit das Ausmass ihrer sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Auswirkungen bestimmt. Eine brandneue Publikation des Schweizer Bundesamtes für Statistik gibt Auskunft wie stark die sogenannte künstliche Intelligenz (KI) von der Schweizer Bevölkerung verwendet wird. Wir haben die Zahlen dazu:
Es ist erst 3 Jahre her, seit die sogenannte Künstliche Intelligenz KI der breiten Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurde. ChatGPT, Claude und viele weitere mehr. Microsoft bietet in seinen Produkten Copilot als KI Hilfe an. Bilder in Adobe’s Photoshop können mit KI Bestandteilen des Produktes direkt im Programm verändert werden.
Das Schweizer Bundesamt für Statistik hat nun ausgewertet, wie häufig die Schweiz und verschiedene Länder Europas diese KI Modelle bereits einsetzen. Anhand der im Frühling 2025 auf der Grundlage des europäischen Standardfragebogens durchgeführten Befragung zur Internetnutzung lässt sich der Stand der Digitalisierung in der
Schweiz mit jenem in anderen Ländern vergleichen.
Wie wird KI eigentlich definiert? Was ist KI?
Um die Verbreitung von KI im digitalen Alltag der Bevölkerung zu messen, wurden spezifische Fragen zur Nutzung generativer KI-Anwendungen gestellt. Generative KI wurde dabei wie folgt definiert: «Die generative künstliche Intelligenz (KI) kann auf der Grundlage verfügbarer Informationen und Modelle neue Inhalte wie Texte, Bilder, Programmierungscodes, Videos und weitere Daten erzeugen, indem sie aus bestehenden Beispielen lernt.
Damit die generative KI solche Inhalte erstellen kann, benötigt sie Anweisungen.»

Internationaler Vergleich – Schweiz an 3. Stelle der KI Nutzung
Drei Jahre nach ihrer Bereitstellung im Internet sind generative KI-Anwendungen in der Bevölkerung der europäischen Länder bereits erstaunlich weit verbreitet. In der Schweiz hat fast die Hälfte der 16- bis 74-Jährigen (47 %) in den drei Monaten vor der Befragung nach eigenen Angaben generative KI-Anwendungen genutzt. Damit liegt die Schweiz hinter Spitzenreiter Norwegen (56 %) und Dänemark (48 %) auf dem 3. Rang der europäischen Länder.
Generative KI wird in allen Ländern am häufigsten für private Zwecke genutzt. Danach folgen berufliche Zwecke und schliesslich Ausbildungszwecke, wobei je nach Land teilweise erhebliche Unterschiede bestehen. Bei der Verwendung für private Zwecke liegt die Schweiz hinter Norwegen, Zypern und Griechenland an 4. Stelle. Bei jener für berufliche Zwecke und für Ausbildungszwecke belegt sie jeweils den zweiten Platz hinter Norwegen bzw. Schweden:
Schweiz bei beruflicher KI-Nutzung auf Platz 2 hauchdünn hinter Norwegen
Wird nur die Erwerbsbevölkerung berücksichtigt, vergrössern sich die Unterschiede. 43 % der Norweger und 41% der Schweizer nutzen die generative KI bei der Arbeit. Die Schweiz erreicht bei der beruflichen Nutzung von KI den 2. Platz. Damit heben sich die Schweiz und Norwegen klar von den anderen Ländern ab. Die Niederlande, Malta, Dänemark, Finnland und Luxemburg folgen deutlich abgeschlagen mit je gut einem Drittel der Erwerbspersonen.
KI-Nutzung nach Beruf
In der Schweiz hat die Mehrheit der Arbeitnehmenden (51 %) in den letzten drei Monaten generative KI-Anwendungen genutzt. Bei den Hausfrauen (33 %) und den Personen im Ruhestand (9 %) liegt dieser Anteil deutlich tiefer. Selbstständigerwerbende greifen etwas seltener auf generative KI zurück (40 %), bei Erwerbslosen ist ihr Einsatz hingegen weit verbreitet (59 %).
81 % der Personen in Ausbildung, Studierenden und Lernenden – überwiegend jüngere Bevölkerungsgruppen – verwenden generative KI, drei Viertel davon im Rahmen der formalen Bildung, 68%
für private Zwecke. Für berufliche Zwecke werden generative KI-Anwendungen am häufigsten von den Jüngsten, d. h. den Lernenden, genutzt (53 %).
Fazit KI Nutzung Schweiz
Generative KI-Anwendungen haben sich in der Bevölkerung der Schweiz und der digital weit fortgeschrittenen EU-Länder schnell und stark verbreitet. Überraschenderweise gehören einige weniger digitalisierte Länder wie Griechenland, Malta oder Zypern zu den grössten Nutzern generativer KI. Sie stehen exemplarisch für die Umwälzungen, die diese neue Technologie in der digitalen Landschaft verursacht.
Gemessen an der Gesamtbevölkerung liegt die Schweiz bei der Nutzung generativer KI-Anwendungen unter den ersten drei Ländern. Ob generative KI eingesetzt wird, hängt stark von Alter, Bildungsniveau und digitalen Kompetenzen ab. Diese Unterschiede machen sich vor allem unter Einbezug von Erwerbsstatus und Beruf bemerkbar. Am häufigsten genutzt werden generative KI Anwendungen von Personen in Ausbildung sowie in intellektuellen und wissenschaftlichen Berufen.
Grosse Herausforderung durch KI
Angesichts der sehr häufigen Anwendung bei jungen Menschen und der stark verbreiteten Nutzung zu beruflichen Zwecken in der Schweiz ist davon auszugehen, dass die generative KI zu tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen führen wird. Umso grösser werden die Herausforderungen der digitalen Transformation sein, die dauerhaft dem Wohle aller dient und wie und ob KI reguliert werden wird.
Quelle: Schweizer Bundesamt für Statistik „Nutzung generativer KI in der Bevölkerung„









