ProWal kämpft weiterhin für die Freiheit der Delfine im ConnyLand - Regierungsrat Kaspar Schläpfer empfindet Fragen als Nötigung

ConnyLand - WDSF

ProWal und das "Wal- und Delfinschutz-Forum WDSF" kämpfen für das Wohl der Delphine im "Connyland". "Den Delphinen geht es gut", liess erstaunlicherweise trotz aller Kritik am Delfinarium der Kantonstierarzt Paul Witzig gestern in einem Radiointerview verlauten - dass es den Delfinen im Connyland nicht gut geht, davon ist Jürgen Ortmüller von WDSF überzeugt - und macht mit seinen Fragen sogar Regierungspräsident Kaspar Schläpfer (FDP Thurgau) nervös.

In einer öffentlichen Stellungnahme hat der zuständige Kantonstierarzt im Thurgau, Paul Witzig, gestern die Vorwürfe der beiden deutschen Meeresschutz-Organisationen „Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)" und „ProWal" gegen das Delfinarium im Vergnügungspark ConnyLand in Lipperswill zurückgewiesen. Die Stellungnahme war von Regierungspräsident Dr. Kaspar Schläpfer veranlasst worden, nachdem die Tierschützer bei ihm als Aufsichtsbehörde schwere Haltungsmängel bei den Delfinen beklagt hatten.

Kantonstierarzt lässt ConnyLand-Betreiber als Experte antworten

Jürgen Ortmüller, WDSF-Geschäftsführer:„Wir wundern uns, dass Herr Witzig einerseits verlauten lässt, dass alles in Ordnung sei, aber gleichzeitig unsere Einwände an die Staatsanwaltschaft weiter gereicht hat. Die Aussage von Herrn Witzig, dass „Delfinen nicht zwingend ein Schattenplatz zur Verfügung stehen muss", lässt er sich über den heutigen Connyland-Direkor Roberto Gasser aus der Zirkusfamilie Gasser und seiner Delfintrainerin Nadja Gasser ausgerechnet von „Experten" bestätigen, die sich als Zoo-Befürworter für die Gefangenschaft von Delfinen einsetzen. Einer von ihnen, Manuel Garcia Hartmann, hat jahrelang das Delfinarium in Duisburg betreut und damit sein Geld verdient und der andere, Andrew Greenwood, gilt als Mitglied der „Internation Zoo Veterinary Group" ebenfalls als uneingeschränkter Befürworter der Gefangenhaltung von Delfinen.

Ohne Sonnenschutz leiden Haut und Augen der Delfine

Unabhängige Forscher haben jedoch festgestellt, dass Delfine und Wale schon durch das Auftauchen zum Atmen sonnenbrandgefährdet sind. In einem türkischen Delfinarium ohne Sonnenschutz sind im vergangenen Jahr innerhalb weniger Tage vier Delfine gestorben. Delfine und Seelöwen leiden in Gefangenschaft oft unter erheblichen Sehschwächen bis hin zur Blindheit aufgrund des fehlenden Sonnenschutzes. Selbst recherchiert hat Paul Witzig offenbar nicht."

Die Inspektion des Delfinariums durch die Delfinschutz-Organisationen mit der Bemängelung des fehlenden Sonnenschutzes fand am 03. Juli statt. Erst am 08. Juli bestätigt Witzig die Behebung des Mangels in einem Bericht an den Regierungspräsidenten: „Aktuell war für die männlichen Tiere in den Außenbecken der Zugang zum überdachten Bereich aber nicht möglich. Auf Grund meiner Intervention wurde dies korrigiert und ich konnte heute feststellen, dass der Zugang wieder offen ist...". Für die Tierschützer ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, da es dort heißt, dass die Tiere vor jeder Witterung zu schützen sein.

Hohe Delfin-Todesrate im ConnyLand

WDSF und ProWal kritisieren ebenso die hohe Todesrate im Delfinarium. Sechs verstorbene Delfine in den vergangenen drei Jahren verzeichnet Betreiber Roberto Gasser. Erst im Mai verlor einer der Delfine in den Becken sein Leben. Die Überlebenschance des mit seiner Delfin-Mutter separierten Delfin-Babys halten die Tierschutz-Organisationen für gering. Das stark gechlorte Wasser mache den sensiblen Meeressäugern sehr zu schaffen, so Ortmüller. Teilweise müssten die Delfine zwangsernährt werden.

Weiterhin wird von den Delfinschutz-Experten kritisiert, dass das Delfinarium ohne Betonfundamente errichtet wurde. Die Delfine schwimmen lediglich in einer blau gefärbten Plastikplane. „Wenn die reißt, ist das der sichere Tod der Delfine", sagt Andreas Morlok, Geschäftsführer von ProWal.

Delfine müssten mindestens eine Minute lang geradeaus schwimmen können

In einer Stellungnahme des deutschen Wissenschaftlers Christian Schulze von der Ruhr Universität Bochum für das zuständige Bundesministerium in Deutschland zur Änderung der Haltungsbedingungen heißt es, dass Delfine in Delfinarien „wenigstens über eine Bahnenlänge von 850 bis 900 Metern verfügen müssten, um ihnen entsprechend ihrer biologischen Grundbedürfnisse die Möglichkeit zu geben, eine Minute geradeaus zu schwimmen." WDSF und ProWal bemängeln diese fehlenden Voraussetzungen in allen Delfinarien, so auch im Connyland.

Auf Lärmbelästigung wird nicht eingegangen

Auf die erhobenen Vorwürfe zur Lärmbelästigung durch die benachbarte Achterbahn und durch die Wasserrutsche ging der Kantonstierarzt gegenüber den Organisationen erst gar nicht ein.

„Den Delfinen geht es gut", sagte er gestern in einem Radio-Interview. Auch den Hinweis auf die starke Fäkalienbelastung durch Kot und Urin der Delfine und die daraus resultierende Bakterienentwicklung mit einer möglichen Ansteckungsgefahr für die Besucher wollte Witzig offenbar nicht gelten lassen. Immerhin scheidet jedes der Tiere bis zu 15 Kilogramm Fäkalien pro Tag aus.

Im Nachbarbecken der Seelöwen recherchierten die Tierschützer, dass abends, wenn sich die Tiere im Innenbereich befinden, ein hochgiftiges Bindemittel zum Einsatz kommt, das die Mikroorganismen und Schwebteile binden soll, damit diese vom Filtersystem erfasst werden können. Eine Antwort auf die damit möglicherweise verbundene Gefährdung der Meeressäuger durch das starke Gift blieb Witzig ebenfalls schuldig.

Trotz Anfrage beim Regierungspräsident Kaspar Schläpfer wurde WDSF und ProWal kein Einblick in die ärztlichen Unterlagen der Delfinhaltung im Connyland gewährt.

Warum empfindet Regierungsrat Kaspar Schläpfer einfache Fragen von ProWal und WDSF als Nötigung und Ehrverletzung?

Die Forderung von Jürgen Ortmüller (WDSF) gegenüber Regierungspräsident Dr. Kaspar Schläpfer (FDP) nach „politischen Personalkonsequenzen" bei Nichtberücksichtigung „der fundierten und faktischen Beweismitteln" zum Tierschutz beantwortete der Regierungspräsident wie folgt: „Ihre Forderung, Dr. Witzig sei von seiner Aufgabe zu entbinden, lehne ich ab. Herr Dr. Witzig ist ein sehr erfahrener und kundiger Tierarzt. ... Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihre Vorwürfe gegen mich, meine Mitarbeiter und auch gegen das Conny-Land unter Umständen den Tatbestand der Nötigung und/oder der Ehrverletzung erfüllen können. Ich ersuche Sie deshalb in aller Form, die Erhebung unberechtigter Vorwürfe zu unterlassen."

"Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keine Angst vor Fragen zu haben."

Für Ortmüller vom WDSF unverständlicht: „Wer nichts zu verbergen hat, muss sich den berechtigten Fragen zur Erfüllung der Rechtmäßigkeit eines bemängelten Zustands stellen. Die Drohung, dass wir mit unseren kritischen Fragen den Tatbestand der Nötigung und/oder Ehrverletzung erfüllen könnten, müssen wir als Versuch werten, uns mundtot zu machen." Schläpfer wird mit solchen Äußerungen wohl eher an seinem eigenen politischen Stuhl sägen.

"Wir erwarten eine schonungslose Aufklärung sämtlicher deklarierten Mängel und hoffen dabei auf die Unterstützung der Bevölkerung im Sinne der geschundenen Delfine", gibt sich aber Ortmüller unbeeindruckt kämpferisch.

Kundgebung vor dem ConnyLand findet statt!

Bei einer polizeilich angemeldeten Kundgebung am 07. August vor dem Eingang zum Connyland von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr werden wir gerne Rede und Antwort stehen." (Siehe weiteren Artikel von HappyTimes)

Quelle Text und Fotos ProWal/WDSF

Weitere Informationen: www.wdsf.eu

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