Danke Ernst Sieber! 91 Jahre lang ein grossartiges Lebenswerk als Hirte und Anwalt für die Schwächsten

Pfarrer Ernst Sieber
"Er weidet seine Herde, der gute Hirte und sammelt seine Lämmer in seinem Arm."

UPDATE 22.05.2018: Nun ist auch das Datum für die Abdankung von Pfarrer Ernst Sieber bekannt. Es findet am 31. Mai 2018 eine Abdankung vorwiegend für Familie und Freunde und am 2. Juni eine Erinnungsfeier für die Öffentlichkeit statt, die passenderweise auf dem Platzspitz in Zürich stattfindet, einem der grossen Wirkungsstätten von Paffer Ernst Sieber:

Abdankung: Donnerstag, 31. Mai, um 14 Uhr im Grossmünster
Erinnerungsfeier: Samstag, 2. Juni, von 14 bis 17 Uhr auf dem Platzspitz

Beide Anlässe sind öffentlich. Die Erinnerungsfeier soll dem Umstand Rechnung tragen, dass das Grossmünster zu wenig Platz für die zu erwartende Trauergemeinde aufweist und die Feier vor allem für Familie und Freunde gedacht ist. Die Erinnerungsfeier soll es der breiten Öffentlichkeit ermöglichen, an dem für unseren Stiftungsgründer und seine Arbeit bedeutenden Ort (Platzspitz) Abschied von Pfarrer zu nehmen.

 

Artikel vom 21.05.2018: Der bekannte Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber ist in der Nacht auf Pfingstsonntag, 20.05.2018,  91-jährig im Kreis seiner Familie für immer eingeschlafen. Wir werfen in unserem detailierten Lebenslauf von Ernst Sieber in tiefer Dankbarkeit einen Blick auf das aussergewöhnliche Wirken und Sein eines der mitfühlensten Menschen unserer Zeit:

Die Beerdigung wird im engsten Familienkreis stattfinden. Damit die Öffentlichkeit von Pfarrer Sieber Abschied nehmen kann, wird eine Erinnerungsfeier stattfinden. Zeitpunkt und Ort stehen noch nicht fest und werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Mit dem Hinschied von Ernst Sieber verlieren sozial desintegrierte Menschen in unserem Land einen aussergewöhnlichen Freund und herausragenden Fürsprech. Die Verdienste Pfarrer Siebers gehen jedoch weit über die Armenfürsorge hinaus. „Sein selbstloser Einsatz für Menschen am Rande der Gesellschaft hat das Verständnis breiter Gesellschaftsschichten für die Botschaft christlicher Nächsten-liebe erneuert“, betont SWS-Gesamtleiter Christoph Zingg. Mit seiner Familie trauern seine Freunde von der Gasse und von seiner Stiftung, die der umtriebige Pfarrer angesichts des Elends der offenen Drogenszene Zürichs 1988 gegründet hat.

Zu viele Menschen leben auch heute noch in prekären wirtschaftlichen, medizinischen oder sozialen Verhältnissen. Auch in der Schweiz – trotz gut ausgebautem Sozialstaat. Die Not ist oft nicht augenfällig, daher nimmt sie die Öffentlichkeit kaum wahr. Sie ist eben mehr als wirtschaftliche Mittelknappheit. Menschliche Not entsteht ebenso aus Vereinsamung, psychischer und physischer Instabilität oder beruflichem und sozialem Scheitern und damit einhergehendem Identitätsverlust. Einer, der die Not früh erkannte, war Pfarrer Sieber. Während mehr als 60 Jahren setzte er sich ein für die Schwächsten und gab ihnen eine Stimme. Dabei wurde er stets von Menschen unterstützt, die die Not ebenfalls wahrnahmen und in ihm jenen Mann fanden, der als beherzter Initiator und unerschrockener Kämpfer vorausging.

Im Laufe seines Lebens schuf Ernst Sieber zahlreiche Einrichtungen für Menschen in Not. Am 24. Mai 1988 gründete er die Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber, unter deren Dach ein Teil dieser Einrichtungen zusammengefasst wurde. Die Stiftung mit ihren 180 Mitarbeitenden und derzeit 16 Einrichtungen und Angeboten betreut seither im Sinne ihres Gründers jährlich bis zu 5000 sozial desintegrierte Menschen. Sie wird das auch weiterhin tun. Die Stiftung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem professionellen, zugleich aber weiterhin mit viel Herzblut geführten Sozialwerk entwickelt. Beispielhaft für die erlangte Professionalität stehen die Zewo-Zertifizierung der Gesamtorganisation (seit 2009), die Rekole-Zertifizierung des Spitals Sune-Egge (seit 2012) sowie die QuaTheDa-Zertifizierung des Rehabilitationszentrums Sunedörfli (seit 2002).

"Obdachlose, drogenabhängige, vereinsamte und von Armut betroffene Menschen verlieren mit Ernst Sieber einen grossen Freund. Zu verzweifeln brauchen sie jedoch nicht. Denn neben dem engagierten Pfarrer setzten sich unter dem Dach der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber schon seit Jahren auch viele andere Menschen für sie ein. „Diese Arbeit werden wir im Sinn und Geist Ernst Siebers weiterführen“, so Christoph Zingg, „mit grossem Herzen und professionellem Arbeiten.“

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Lebenslauf von Ernst Sieber

Ernst Sieber, geboren am 24. Februar 1927 in Horgen, begann seine berufliche Laufbahn als Bauernknecht im Welschland. Später absolvierte er die Landwirtschaftliche Schule Strickhof und schloss diese Ausbildung 1947 erfolgreich ab. Das Strickhof-Diplom war für ihn aber weniger ein Abschluss eines interessanten Lehrgangs als viel mehr das Fanal für eine weitergehende, allgemeinbildende Schulung. So machte er auf dem zweiten Bildungsweg die Matur, die er 1950 erfolgreich abschloss. Im Anschluss daran nahm er das Theologiestudium auf, das er sechs Jahre später abschloss. Noch im gleichen Jahr folgte die Ordination zum Pfarrer. Von 1956 bis 1967 war Ernst Sieber Gemeindepfarrer in Uitikon-Waldegg, danach bis zu seiner Pensionierung 1992 Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Zürich-Altstetten. 1987 ehrte ihn die Universität Zürich mit der Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät. Von 1988 bis 1992 war Pfarrer Ernst Sieber zudem Dekan der Stadt Zürich für die Stadtteile links der Limmat. Von 1992 bis 1995 sass er für die EVP im Nationalrat. Ernst Sieber war verheiratet mit der Sängerin Sonja Sieber-Vasalli und hatte vier eigene, ein adoptiertes und drei Pflegekinder.

Der Bunker am Helvetiaplatz

Bereits während seiner Maturzeit kam Ernst Sieber in Kontakt mit Obdachlosen. Als Vikar, Gemeinde- und Anstaltspfarrer setzte er sich unermüdlich für Menschen am Rande der Gesellschaft ein. Im Seegfrörni-Winter 1963 wurde eine breite Öffentlichkeit auf Sieber aufmerksam, als er in einem alten Bunker beim Helvetiaplatz in Zürich eine Unterkunft für Obdachlose einrichtete. Daraus entstand eine selbstverwaltete Gemeinschaft, die 1975 in ein Haus an der Gerechtigkeitsgasse zog und aus der die heutige Wohn- und Arbeitsgemeinschaft Suneboge mit 36 Betten und 20 geschützten Arbeitsplätzen wurde. Die Erlebnisse jener Tage hielt der heute weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Pfarrer in seinem Buch „Menschenware – wahre Menschen“ fest. Das Werk ist ein Potpourri persönlicher Eindrücke und Erlebnisse und vermittelt gleichzeitig einen wohl einzigartigen Einblick in die Lebenswelt von Obdachlosen jener Zeit.

Im harten Einsatz am Platzspitz und am Letten

Ende der 1980er Jahre begann Ernst Sieber, sich um die Drogenabhängigen auf dem Platzspitz und am Letten zu kümmern. Im rastlosen persönlichen Einsatz vor Ort versuchte er zusammen mit Freiwilligen, Süchtige von der Szene weg- und nach Möglichkeit in den Entzug zu bringen. Ernst Sieber gründete Anlauf- und Notschlafstellen, ein Aids-Spital und Rehabilitationseinrichtungen, die 1988 in der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber (SWS) zusammengefasst wurden. Nach mehreren Reorganisationen, bei denen unter anderem Ernst Sieber und seine Frau Sonja von der Leitung zurücktraten und einige Einrichtungen ausgegliedert wurden, ist die Stiftung mit ihren inzwischen 180 Mitarbeitenden heute strukturell gut aufgestellt und finanziell gesund. Pfarrer Sieber selbst war bis zu seinem Tod in der praktischen Arbeit mit obdachlosen, drogenabhängigen und sozial desintegrierten Menschen tätig. So etwa im Pfuusbus (Schlafbus), einem alten Sattelschlepper, der im Winter 40 Schlafplätze für Obdachlose bietet. Oder in der Auffangeinrichtung Brot-Egge in Seebach, wo randständigen Menschen Seelsorge und Beratung angeboten werden.

Das Bundesdörfli heisst Brothuuse

Das letzte grosse Projekt, das Pfarrer Ernst Sieber massgeblich mitgestaltete, war Brothuuse. Die Siedlung für sozial desintegrierte Menschen in Zürich-Affoltern ist die Realisierung einer Idee, die der Anwalt für Obdachlose und Drogensüchtige schon 1995 im Nationalrat einbrachte: das Bundesdörfli, eine Siedlung für Randständige, die die Bewohner soweit möglich selbst verwalten und in der jeder seine Fähigkeiten zum Gelingen der Gemeinschaft einbringt. In Brothuuse wurde dieser Traum Siebers Wirklichkeit. Wie wichtig ihm dieses Projekt war, zeigt ein Ausspruch Ernst Siebers in der Schweizer Illustrierten vom 31. Dezember 2008. Darin betont er seine Entschlossenheit, sich für die Realisierung einer solchen Siedlung einzusetzen: „Ich kämpfe dafür, bis ich ins Gras beisse!“

Lieber anecken statt kuschen

Ernst Sieber war gleichermassen Theologe und Mann der Tat, reflektierender Pfarrer und beherzter Diakon. Sein Einsatz für die Schwächsten in unserer Gesellschaft gründete auf der tiefen Überzeugung, dass das Wort Gottes nur in der gelebten Form seine ganze Wirkung entfaltet. „Ich glaube an die Kraft der Liebe Jesu Christi. Sie ist Gegenwart. Und deshalb können wir Worte und Taten nicht trennen“, brachte er sein Kredo im Vorwort zu seinem Buch „Menschenware – wahre Menschen“ auf den Punkt. In seinem Engagement für Schwache war Sieber kompromisslos. Das erfuhren auch staatliche und kirchliche Behörden. Immer wieder legte er sich mit ihnen an, übertrat bewusst Gesetze und Grenzen und brach Konventionen. Dabei ging es ihm nie um die blosse Provokation, stets stand das Wohl der Bedürftigen an erster Stelle. Sieber mied alles, was nach Bürokratie und Behörde roch, wie der Teufel das Weihwasser. Dennoch versuchte er stets, mit den Gegebenheiten zurande zu kommen, wenn es den sich ihm anvertrauenden Menschen zugute kam. Ein besonders enges Verhältnis hatte Sieber Zeit seines Lebens zur reformierten Landeskirche. Sie war für ihn Garant aufgeklärter Religiosität und gelebter Diakonie – und geistliche Heimat.
Ernst Sieber war jedoch nicht nur Pfarrer und Diakon. Ebenso war er Künstler, Schriftsteller, Mediator, Politiker und Bauer – ein Mann mit vielen Facetten.

Der Künstler

In seinem Atelier in Euthal tankte er beim Malen und Bildhauen Kraft für die aufreibende Arbeit in der Kirchgemeinde und auf der Gasse. Sieber schuf in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Bilder und Skulpturen von archaischer Intensität und zugleich subtiler Fragilität. Die ausdrucksstarken Bilder zeugen von der kraftvollen aber auch sensiblen Persönlichkeit. Besondere Beachtung fanden in den letzten Jahren seine überlebensgrossen Bronzeskulpturen, die heute im Friedhof Horgens aufgestellt sind. In ihnen hat Sieber seine theologische Überzeugung materialisiert und festgemacht. Die Figuren des neuen Testaments (Christus am Kreuz, Johannes den Täufer, etc.) und die allegorischen Kristallisationsformen menschlicher Wesenszüge (Optimisten, Defätisten, etc.) sind doppelgestaltig. Zum einen stehen sie als biblische und allegorische Mahnfinger für Siebers theologisches Kredo, zum anderen hat der Künstler sich und seine Familiengeschichte in ihnen verarbeitet.

Der Schriftsteller

Seine Erlebnisse und seine Botschaft verarbeitete Ernst Sieber in den drei mehrfach aufgelegten Büchern Menschware – wahre Menschen (1987, Zytglogge), Platzspitz – Spitze des Eisbergs (1991, Zytglogge) und Licht im Tunnel (1998, Zytglogge) sowie in einigen kleineren Schriftbändchen. Klar und geerdet wie seine Arbeit kommen auch seine Schriftwerke daher. Sein Augenmerk galt stets den Bedürftigen, deren Situation er nicht als schicksalshaft akzeptierte, sondern als von Menschen verursacht und somit auch von Menschen zu korrigieren postulierte. Für Sieber konnte das nachhaltige Heil für diese Vereinzelten wie auch für die Gesellschaft generell nicht von gutmeinenden Menschen allein kommen, sondern bedurfte fundamental der kraftspendenden Botschaft von Christus.

Sonja Sieber - Die starke Frau hinter dem starken Mann

Ernst Sieber hatte eine enorme Schaffenskraft. Ohne seine Frau Sonja und ohne unzählige Mitarbeitende und Freiwillige hätte er seine Wirkung jedoch nie so entfalten können, wie er das letztlich tat. Sonja, die er liebevoll „Sune“ nannte und deren Kosename in etlichen Bezeichnungen von Einrichtungen verewigt ist, die Ernst Sieber gründete (Suneboge, Sune-Egge, Sunestube, Sunedörfli), war seit 1958 mit dem Obdachlosenpfarrer verheiratet. Die ausgebildete Sängerin stand ihm stets mit Rat und Tat zu Seite, litt und kämpfte mit ihm und war ihm die grosse seelische Stütze. Sonja Siebers Engagement war ebenso generös wie dasjenige ihres Gatten. Neben ihrer Aufgabe als Mutter versah sie während Jahren leitende Funktionen in der Stiftung, trug mit eigenen Konzerten und Tonträgern dazu bei, dass stets Geld für die Arbeit zugunsten der Bedürftigen hereinkam und war sich nicht zu schade, auf der Gasse selbst Hand anzulegen. Neben Sonja sorgten unzählige Freiwillige dafür, dass Ernst Siebers Ideale Realität wurden und dass die vielen Bedürftigen, Vereinsamten, Obdachlosen und Drogensüchtigen in den Strassen, Plätzen und Hinterhöfen Zürichs nicht vergessen gingen.

Anwalt der Schwächsten

Der Pfarrer mit dem grossen Herzen für Bedürftige blieb seiner Berufung als Anwalt der Schwächsten bis zum letzten Tag treu. Verlangte ein Obdachloser oder eine Drogensüchtige nach ihm, war der charismatische Pfarrer zur Stelle und nahm sich Zeit. Dank der engagierten Mitarbeitenden der SWS können Bedürftige auch nach dem Hinschied des Obdachlosenpfarrers darauf bauen. Die SWS tragen diesem Erbe ihres Gründers Sorge und führen dessen Arbeit in seinem Sinn beherzt und professionell weiter.

Quelle: Stiftung Pfarrer Sieber

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