„Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen“.

Hamburg/Wiesbaden (pts/15.02.2010/16:40) – Werden Sie zum grossen Schriftsteller! Interview von „Faszination Lesen – die Wochenschau“ mit Anno Stockem, dem Direktor der „Schule des Schreibens“ an der Hamburger Akademie für Fernstudien, der seit 1994 Lehrgänge für kreatives Schreiben anbietet.

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Herr Stockem, Sie engagieren sich seit 1994 unter www.schule-des-schreibens.de für „kreatives Schreiben“. In ihrem „Leitfaden für alle, die gern schreiben“, zitieren Sie Mark Twain mit den Worten „Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen“. Wenn dem so ist, womit beginnt dann „kreatives Schreiben“?
Mark Twain hat recht. Das Weglassen falscher Wörter ist natürlich ein positiver Akt, ein aktives Auswählen, und genau damit beginnt das sinnhafte Schreiben, das über das rein Gestische hinausgeht. Insofern ist Schreiben eben weit mehr als das bloße Aneinanderreihen von Buchstaben und Wörtern. Schreiben heißt, seine Gedanken präzise festzuhalten und eigene Gefühle auszudrücken: mit seinem eigenen Stil, seiner ganz persönlichen Sprache.

Der Beginn des kreativen Schreibens ist dann der Impuls: Ja, ich möchte schreiben, ja, ich habe etwas zu sagen, selbst wenn die genaue Form oft gar nicht von vorne herein fest steht. Eine der erfolgreichen Starttechniken, die diesen Prozess der Kreativität in Gang setzt, ist übrigens das „Clustern“. Es hilft Ihnen, die für Sie „richtigen“, die für Sie passenden Wörter und Begriffe zu finden.

Die Schule des Schreibens blickt auf eine 40jährige Tradition zurück. Ihre Keimzelle war das „Institut zur Förderung und Ausbildung des Schriftsteller-Nachwuchses“. Was hat sich an der Ausbildung und den Angeboten in den letzten Jahrzehnten geändert?
Gleichgeblieben ist der Anspruch, eine solide „handwerkliche“ Ausbildung anzubieten. Das war der Anspruch vor 40 Jahren, und das ist er geblieben. Verändert hat sich selbstverständlich Inhalt und Form. Heute bieten wir das so genannte „blended Learning“ an, das neben den – nach wie vor wichtigen – gedruckten Studienmaterialien ein Online-Forum integriert, neue Kommunikationsmöglichkeiten, Seminare usw. Seit kurzem twittert die Schule des Schreibens übrigens auch.

Nach diesen ersten 40 Jahren sind wir mehr denn je davon überzeugt, dass Schreibenkönnen eben keine geniale Gabe ist, die man hat oder auch nicht. Schreiben hat viel mit Techniken zu tun, mit Handwerk. Wer diese Techniken kennt und sie anwendet, wird verständlicher, fesselnder und unterhaltsamer schreiben. Fast alle Schriftsteller haben daher ihre persönlichen Regeln, ihr „Trainingsprogramm“, das sie – wie jeder Sportler – auch absolvieren.

Der Vermittlung von Lese-Kompetenz wird in Schule und Ausbildung nicht die notwendige Aufmerksamkeit beigemessen, die sie verdient. Sie ist aber unverzichtbar für effizientes Lernen in der heutigen Informationsgesellschaft. Wie ist es mit der Schreib-Kompetenz in Deutschland bestellt? Und wie wichtig ist diese für Beruf und Leben?
Ich bin da gar nicht so pessimistisch. Wir müssen uns vielleicht abgewöhnen, das heutige Lernen mit den Maßstäben von gestern zu bewerten. Natürlich ist es nicht gut, dass manche Kinder kaum mehr mit formal „richtigem“ Deutsch in Kontakt kommen. Das kann die Schule aber nicht allein ausbügeln – Erziehung, gesellschaftliches Umfeld, Medien spielen eine wichtige Rolle. Der Zeitungskonsum nimmt im Segment der jungen Menschen rapide ab – ein Wunder, wenn Informationen aktuell im Internet zur Verfügung stehen? Die Medienkompetenz der jüngeren Generation finde ich doch sehr beachtlich. Und gleichzeitig sehe ich, dass Bücher von J.K. Rowling, von Cornelia Funke oder Stephenie Meyer millionenfach verkauft werden. Da mache ich mir über die angeblich fehlende Lesekompetenz wenig Sorgen.

Lernen wiederum geschieht ja auf verschiedenen Ebenen. Vom Lesen über das schreibende Aneignen bis hin zur Verhaltensübung spielen ganz unterschiedliche kognitive Bereiche eine Rolle. Lernkultur zu fördern heißt also, nicht nur sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten zu fördern, sondern die Mehrkanaligkeit des Lernens zu akzeptieren.

Zu Ihren Studien-Angeboten zählen neben der „Großen Schule des Schreibens“ auch die „Große Schule der Belletristik“, ebenso Kurse für Kinder- und Jugendliteratur und für Journalismus. Wer sind hier Ihre Zielgruppen? Und was erwarten diese als Ergebnis ihres Studiums?
Zu uns kommen die Menschen, die Spaß am Schreiben haben und die das Bedürfnis verspüren, sich auszudrücken. Die Bandbreite ist hier sehr groß. Das kann zum Beispiel die Abiturientin sein, die sich von der jungen deutschen Literatur angeregt fühlt (Stichwort Helene Hegemann); es gibt die 26-jährige Mutter, die durch den familiären Kontext motiviert ist; es gibt die Rentnerin aus Magdeburg, die ihre Lebensgeschichte aufschreiben möchte; es gibt den Medizin-Professor, der nach all den Fachveröffentlichungen sich auch die Belletristik erschließt; usw. Die Erwartungen sind so vielfältig wie die unterschiedlichen Motivationen, einen Lehrgang zu beginnen. Wichtig ist, sehr klar zu formulieren, was möglich ist und was nicht. Wir versprechen nicht, dass die Absolventin unseres Lehrgangs „Kinder- und Jugendliteratur“ die nächste Cornelia Funke wird. Aber wir sind überzeugt, dass diese Absolventin – und die meisten unserer Teilnehmer sind Frauen – eine gute Geschichte schreiben kann. Sie wird wissen, wie ein Spannungsbogen zu schlagen ist, wie Figuren lebendig charakterisiert werden, oder welche Mittel sie einsetzen kann, um die berühmten „Cliff-Hanger“ zu erschaffen, die einem Krimi seinen Sog verleihen.

Wie ist das Studium für die Teilnehmer organisiert und was kostet es?
Unsere Teilnehmer erhalten Lehrmaterial, das sie intensiv bearbeiten. Alle Lektionen beinhalten zum einen Übungsaufgaben, zum anderen spezielle Einsendeaufgaben, die dann von unseren Studienleitern begutachtet werden. Unsere zentrale Leistung als Schule des Schreibens ist die qualifizierte Studienbetreuung, das heißt, wir führen über diese Einsendeaufgaben einen gezielten Dialog mit unseren Teilnehmern. Das läuft zum Teil über Papier, zum Teil Online, zum Teil auch über das Telefon.

Die Lehrgänge kosten ab 72,- EUR monatlich und dauern von 15 bis zu 36 Monaten. Die ganze Vertragsgestaltung wird im Übrigen sehr genau von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht überprüft; ein spezielles Fernunterrichtsschutzgesetz regelt zum Beispiel die Kündigungsmöglichkeiten usw.

Neue Medien und Technologien verändern die Art des Lesens und Lernens. Welche Auswirkungen haben sie auf das Schreiben? Bietet Ihre Schule demnächst Kurse für das Verfassen von SMS- und Twitter-Meldungen an?
Es gibt seit einigen Jahren bereits sehr witzige und interessante schriftstellerische Versuche, mit SMS komplette Romane zu schreiben. Bei Twitter gibt es ähnliche Versuche, interessanter Weise in beiden Fällen inklusive Medienbruch: Die Romane erscheinen dann auch in Papierform. Grundsätzlich bestimmt bei uns das spezielle Medium aber nicht die Form des Lehrgangs. Wer Autofahren gelernt hat, kann einen alten Diesel genauso sicher steuern wie ein neues Hybrid-Auto.

Besten Dank Anno Stockern für das Interview!

 

Bild: www.schule-des-schreibens.de

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