Natascha Kampusch soll nicht die ganze Wahrheit erzählt haben

Gewächshaus


Natascha Kampusch © Martin Moravek

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Was viele schon seit Beginn vermuteten wird durch neue Erkentnisse und Forschungen immer wahrscheinlicher: Natascha Kampusch hat nicht die ganze Wahrheit erzählt – auch in ihrer erst kürzlich erschienen Biographie. Die Frage ist nur: warum? Es wurden nun Polizeiberichte öffentlich, in denen grosse Ungereimtheiten auftauchen. 

Kampusch beschrieb immer das Horror-Szenario, wie sie eingesperrt gewesen sei in dem Kellerverlies unter Wolfgang Priklopils Haus und titelt ihre medienwirksam präsentierte Biographie denn auch "3096 Tage". Neue Erkenntniss im Fall Kampusch deuten nun aber in eine ganz andere Richtung:

Nataschas "Verliess" lässt sich nur von innen verschliessen, nicht von aussen

Johann Rzeszut, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshof in Wien sagte aus, dass die Türe des Verliesses nur von ganz abgeschlossen hätte werden können. Also eher ein Panikraum in dem man sich versteckt, als in den man gesteckt wird. Das wirft ein ganz anderes Bild auf Nataschas Lage. Wollte sie sich etwa verstecken? Zum Beispiel wenn Priklopils Mutter Waltraud zu Besuch kam?

Überhaupt taucht manchmal der Verdacht auf, dass eher Natascha den sehr labilen Priklopil manipulierte, als er sie. In einem ersten Interview erwähnte sie, dass sie glaube, mental stärker als Priklopil gewesen zu sein. Diesen Eindruck machte sie wirklich. Ihre sehr kühle und berechnende Auftrittsweise, das Abwägen jedes Wortes vor der Aussprache entspricht mehr der einer vorsichtigen Politikerin als der eines willenlosen Opfers. Sogenannte "Mentalists" (Mimik- oder Gedankenleser) sagten schon bei der ersten Sichtung der Interviews, dass Natascha nicht die Wahrheit sage – oder nicht die ganze Wahrheit. Man sehe, dass Sie lüge. Doch was lügt sie – und warum lügt sie?

Wurde Natascha gar nicht entführt?

Ist sie gar nicht entführt worden? Hatte die gemäss Polizeiberichten "hoch intelligente" Fünftklässlerin den labilen, arbeitslosen Nachrichtentechniker und Bauarbeiter Priklopil manipuliert, der gemäss Polizeiprotokoll vom 14. Mai einen "Hang zu Kindern" hatte? Wollte Natascha anfänglich ihre Mutter bestrafen, von der sie sich am Morgen in grossem Streit getrennt hatte? Kann eine Zehnjährige einen erwachsenen, wenn auch etwas labilen Mann manipulieren und anstiften? 

"Gehilfe" oder "Chef"? Immer wieder taucht der Name Ernst H. auf.

Die Entführung an und für sich ist sehr ungereimt. Nataschas Schulfreundin berichtete immer von einem weissen Kastenwagen, der neben Natascha auf dem Schulweg hielt, die Schiebetüre sich öffnete und ein Mann sie ins Innere zog, während ein anderer Mann den Kastenwagen fuhr und davonbrauste. Doch der zweite Mann wurde nie gefunden. Wer war dieser "Gehilfe" Priklopils? War es vielleicht gar kein "Gehilfe" sondern eher der "Chef" Priklopils? 

Im August 2010 wurde der Freund Priklopils Ernst H., den dieser nach Kampuschs Flucht getroffen hatte, wegen Begünstigung angeklagt. Er habe Priklopil absichtlich der Verfolgung zum Teil entzogen. H. gab bei der polizeilichen Vernehmung im November 2009 zu, dass Priklopil ihm kurz vor seinem Suizid die Entführung in einer Art „Lebensbeichte“ gestanden habe. Ernst H. war demnach der letzte Mensch, der Priklopil lebend gesehen hat. Vielleicht auch sein Mörder?

Wurde Priklopil ermordet?

Priklopil soll kurz vor seinem Tod einen Abschiedsbrief an seine Mutter mit dem Schriftzug „Mama" begonnen, dann aber abgebrochen haben. Doch laut grafologischem Gutachten vom 18. November 2009 sei der Text jedoch nicht von Priklopil geschrieben worden sein sondern, "sehr wahrscheinlich" von Ernst H. 

Doch weitere Ermittlungsschritte, ob sich Priklopil wirklich selber vor den Zug geworfen habe, oder er vielleicht vor den Zug gestossen wurde, vielleicht von Ernst H., sind merkwürdigerweise nie erfolgt.

Natascha bewohnte den Kellerraum nicht

Viel interessanter noch wird es, gemäss einem an die Öffentlichkeit gelangtem Polizeiberichtes, der besagt, dass der Raum im Keller schon längere Zeit nicht mehr bewohnt gewesen sei.

Das ganze Haus sei in tadelloser Ordnung gewesen, doch der Raum im Keller vollgestellt mit Gegenständen. Es hätte keinen einzigen Platz gegeben auf den man etwa ein Buch hätte stellen können, der einzige Sessel im Raum, auf dem Kampusch hätte sitzen können, war hoch mit Gegenständen belegt. Auf dem WC-Deckel hätten Reinigungsmittel und andere Gegenstände gelagert, der Deckel sei also schon seit langem nicht mehr geöffnet worden. Auch hätten sich keinerlei Lebensmittel oder -Reste gefunden. Der Raum sah eher aus wie eine Abstellkammer, denn wie ein Verliess aus dem jemand nur Stunden zuvor entflohen sei.

In einer Akte des Landespolizeikommandos vom 4. August 2009 steht: «Im Raum 0 fällt auf, dass er so, wie er aufgefunden wurde, wohl nicht als bewohnter Raum angesehen werden kann.» 

Ein Ermittler besagte, dass Nataschas Haare und Kleider sauber gewirkt hätten, man hätte es gerochen und an ihr gesehen, wenn sie wirklich in dem unordentlichen, schmutzigen Verliess, das kurz danach von den Beamten aufgefunden und durchsucht wurde, gewohnte hätte.

Natascha Kampusch schlief mit Priklopil zusammen im Bett

Aber wo wohnte Natascha dann? Der Polizeibericht vom 4. August 2009 fördert auch hier wieder interessantes zu Tage und zeigt, dass Natascha in Prikopils Bett schlief. Waren die beiden also ein Paar?

In Priklopils Schlafzimmer wurden bei der Durchsuchung vier BHs gefunden, die offensichtlich Natascha gehören mussten, zudem in einem Abstellraum im Obergeschoss eine Reisetasche mit Damenbekleidung. In der Reisetasche befand sich sogar ein Bikini, der ebenfalls offensichtlich Natascha gehören musste. Sie selber hatte in einem Interview ausgesagt, mit Priklopil zusammen zum Skifahren gereist zu sein, von Badeferien hatte sie nichts ausgesagt.

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Der Trick mit den lichtempflindlichen Augen

Besonders inszeniert wirkt, dass Natascha bei ihren ersten Medienauftritten oft die Augen schloss, und dies vor dem Auftritt angekündigt wurde, da sich Nataschas Augen nach der langen Zeit im Dunklen des Verliesses erst an die hellen Licht gewöhnen müssten. Das Interview wurde denn auch in einem dunkleren Studio gedreht.

Und jetzt scheint immer klarer zu werden, dass Natascha im Haus oben wohnte und ja auch im Garten werkelte, wie die Nachbarn berichteten, die die beiden öfters im Garten gesehen hatten. Warum wollte sie aber die ersten Interviews im Düsteren drehen und festigte auch hier wieder die falsche Aussage, dass sie immer im Keller gefangen gehalten worden sei?

Wer hat ein interesse an der falschen Geschichte?

Der österreichische Abgeordnete Werner Amon, Leiter des Unterausschusses, welcher aktuell den Fall Kampusch durchleuchtet, sagt gegenüber der Online-Zeitung 20 Minuten: «Zweifelsohne ist es so, dass sich Natascha Kampusch nicht über die gesamte Zeit ihrer Abhängigkeit hinweg im Verlies aufhalten musste, sondern mit Wolfgang Priklopil vielfach an anderen Orten unterwegs war. Das ist ein Faktum.» Und er fährt fort: 

«Man muss sich die Frage stellen, wer ein Interesse daran hat, dass die gesamte Geschichte des Falles Kampusch so dargestellt wird, wie sie dargestellt wurde. Das ist eine der wichtigsten Fragen, die wir uns zu stellen haben.»

Man kann auf weitere Enthüllungen gespannt sein. Irgendwann wird die ganze Wahrheit um Natascha Kampusch ans Licht kommen. Denn eines ist sicher: Die Wahrheit, die wir bis jetzt kennen, kann so nicht ganz stimmen.

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Quelle: Wikipedia, 20 Minuten Online
Bild: cc Martin Moravek / natascha-kampusch.net

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