«Was bei Hockeyschlägern funktioniert, klappt auch für Betten» – Portrait von Unternehmer und Erfinder Dr. Michael Sauter

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Erfinder Dr. Michael Sauter

Von Martina Peter – Ein neues Bett, das die Bewegungen gesunder Menschen während des Schlafs nachahmt, soll bettlägrige Patientinnen und Patienten vor Druckgeschwüren schützen und gleichzeitig das Pflegepersonal entlasten. Hinter dem kürzlich erneut ausgezeichneten Projekt steht der Maschinenbauingenieur und Jungunternehmer Dr. sc. ETH, Dipl. Masch.-Ing. Michael Sauter, der im Mai 2009 mit Unterstützung des Empa-Technologiezentrums glaTec eine eigene Firma, «compliant concept», gegründet hat.

Ein Pflegebett für bettlägrige Personen passt auf den ersten Blick kaum zu dem sportlichen jungen Mann. Während seiner Dissertation interessierte sich Michael Sauter denn auch mehr für Eishockeyschläger. Nicht aus sportlichem Ehrgeiz – der lag eher im Mountainbiking–, sondern weil er in seinem Forschungsgebiet der «nachgiebigen Systeme» enormes Potenzial sah, verschiedenste Produkte zu verbessern.

Zum Beispiel Eishockeyschläger. In einem Industrieprojekt unter der Leitung von Paolo Ermanni am Institut für mechanische Systeme an der ETH Zürich hatte er Gelegenheit, seine Ideen einzubringen und für einen Eishockeystockproduzenten neue Konzepte zu entwickeln. Mit Erfolg: Seit den olympischen Spielen 2006 in Turin sind seine Stöcke nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den Nachbarländern im Einsatz.

Gemeinsam mit anderen Studierenden entwickelte Sauter daraufhin einen neuen Autositz, der sich an Person und Fahrsituation anpassen kann. Und plötzlich, so Sauter, sei ihm durch den Kopf gegangen: «Das müsste sich doch auch mit Betten machen lassen …» Die Idee liess ihn nicht mehr los, auch als der Empa-Forscher Flavio Campanile ihn nach abgeschlossener Doktorarbeit 2009 an die Empa-Abteilung «Mechanics for Modelling and Simulation» holte.

Was bei Hockeyschlägern funktioniert, klappt auch für Betten

Eine blosse Idee wäre es vielleicht geblieben, hätte Sauter nicht an dem von der Förderagentur für Innovation (KTI) unterstützten Kurs «Venture Challenge» teilgenommen, in dem Hochschulabsolventinnen und -absolventen lernen, aus innovativen Technologien Geschäftsideen zu entwickeln.

Dabei sei ihm klar geworden: Ein Bett, das sich anpassen kann, wäre für bettlägrige Personen und Pflegepersonal eine enorme Hilfe. Um der Gefahr von Druck- oder Dekubitalgeschwüre entgegenzuwirken, sollte das Pflegepersonal diese Personen ständig umlagern. Ein neuartiger gelenkloser Lattenrost aus intelligenten Materialien und eine angepasste Matratze könnten diese Aufgabe übernehmen.

Sie imitieren die Bewegungen eines gesunden Menschen und lagern ihn so sanft und beständig um. Technisch machbar war dies, davon war der Maschinenbauingenieur überzeugt. Aber für den medizinischen Hintergrund und um abzuklären, ob überhaupt ein Markt für ein neues Pflegebett vorhanden war, brauchte es Fachleute. Der Dekubitusexperte Walter Seiler reagierte zunächst zurückhaltend auf Sauters Anfrage:

So einfach sei das alles nicht, das hätten schon viele probiert, meinte er. Doch nach einem Besuch bei Sauter war er begeistert. Dass ein Ingenieur die Dekubitusproblematik derart umfassend und systematisch bearbeitete, überzeugte ihn.

Vom Wissenschaftler zum Unternehmer

Michael Sauter hatte nicht nur sein Thema gefunden, sondern auch einen erfahrenen Begleiter gewonnen, der ihn fortan lehrte, medizinische Zusammenhänge besser zu verstehen – ausgerechnet ihn, der eigentlich kein Blut sehen kann. Und um die Wünsche der Betroffenen besser kennen zu lernen, scheute Sauter keinen Aufwand, er absolvierte sogar ein Praktikum in einerPflegeinstitution.

All das neu erworbene Wissen führte schliesslich im Mai 2009 zur Gründung eines eigenen Unternehmens, «compliant concept». Der Spin-off der Empa und der ETH Zürich nahm seinen Sitz auf dem Empa-Areal in Dübendorf im Technologiezentrum glaTec. «In der Schweiz haben wir optimale Voraussetzungen, man bekommt für alles Hilfe», stellt er fest. «Aber man muss sie sich holen.»

Was auch bedeutet, sich mit seinen Schwächen auseinander zu setzen. Er habe beispielsweise lernen müssen, seine Ideen überzeugend zu präsentieren. Mario Jenni, Geschäftsleiter des Business-Inkubators glaTec, diente ihm nicht nur hierbei als Sparring-Partner. Auch bei der Ausarbeitung von Verträgen kann Sauter auf Jennis Unterstützung zählen. Sauter höre nicht nur gut zu, lobt Jenni, sondern implementiere Ratschläge professionell und setze sie zielstrebig um. «Er hat ein gutes Gespür, was der Markt will, und hat sich schon früh ein grosses Netzwerk aufgebaut.»

Offenheit für Inputs von Dritten, aber auch grosser Lernwille und Lernfähigkeit zeichnen Sauter aus. Martin Wyttenbach, KTI-Start-up-Coach, attestiert dem Jungforscher eine beeindruckende persönliche Entwicklung. Er lernte ihn kennen, als sein Projekt in das KTI-Start-up-Programm aufgenommen wurde. Seither begleitet auch er ihn als Coach und unterstützt ihn in der Entwicklung des Jungunternehmens. Dabei stehen Fragen der Positionierung, des Geschäftsmodells, des Marketings und der Finanzen im Zentrum.

Ausgezeichnete Idee

Die Fortschritte der jungen Firma blieben nicht unbemerkt. Mit seinem Team heimste Sauter bereits mehrere Jungunternehmer-Preise ein. Erst kürzlich erhielt er den «KTI Medtech Award 2010», im vergangenen Januar wurde Sauter für eine der zehn innovativsten Geschäftsideen an Schweizer Universitäten und Fachhochschulen mit dem «Venture Idea 2010» ausgezeichnet und Ende 2009 erhielt «compliant concept » den Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreis.

Doch wie sagt Sauter: «Man gewinnt nicht jeden Tag einen Preis, oft muss man einfach nur durchhalten.» Während anfangs die Frage nach dem technisch besten Produkt im Zentrum stand, rückte in einer zweiten Phase der Bau eines Prototypen-Betts in den Mittelpunkt. Damit konnte Sauter zeigen, dass die Idee funktioniert: Da ein neues Pflegebett nur Chancen hat, wenn es auf allen Ebenen Vorteile gegenüber den gängigen Betten aufweist, fanden am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil Tests statt. Nicht nur, dass die Idee «Pflegebett » praktikabel ist, sei wichtig, auch ein scheinbares Detail – etwa wie aufwändig ist die Reinigung – kann entscheidend sein für einen allfälligen künftigen Erfolg.

Mittlerweile dreht sich bei «compliant concept» alles um die Frage, wie das Bettensystem erfolgreich auf den Markt gebracht werden kann. Eben erst unterzeichnete Sauter eine Absichtserklärung mit einem deutschen Unternehmen, das zu den drei grössten europäischen Pflegebettherstellern zählt. Daneben ist er ständig auf der Suche nach neuen Partnern und Investorinnen, vor allem solche, die Erfahrung in der internationalen Vermarktung von Medizinalgeräten mitbringen.

Link zur Website der Firma compliant concept:
www.compliant-concept.ch

Quelle: EMPA-News, www.empa.ch , TEXT: Martina Peter / BILD: Ruedi Keller

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