Deutsche Südweststrom kauft Windenergie-Anlage in der Nordsee für 1,5 Milliarden Euro

Bremen – Die SüdWestStrom aus Baden-Württemberg hat den Nordsee-Windpark «Bard offshore 1» gekauft. «Wir wollen die Eigenständigkeit der Stadtwerke sichern und den Klimaschutz voranbringen», sagte Boris Palmer, Aufsichtsratsvorsitzender der SüdwestStrom am Dienstag nach Vertragsunterzeichnung. 1,5 Milliarden Euro werden investiert.

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Windstrom aus der Nordsee wird bald in Süddeutschland ankommen. Der Windpark «Bard offshore 1» entsteht derzeit rund 100 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum. Die ersten drei gigantischen Windräder stehen im 40 Meter tiefen Wasser. Nach Fertigstellung im Herbst 2011 werden sich 80 Windräder drehen. Sie sollen zusammen den Energiebedarf von 400 000 Privathaushalten decken. Seit Dienstag gehört der erste kommerzielle Windpark der SüdWestStrom aus Baden-Württemberg. Die Verträge wurden in Bremen unterzeichnet. Zu der neuen SüdWestStrom Windpark GmbH gehören 70 Stadtwerke aus ganz Deutschland, sowie Energieversorger aus Liechtenstein, Luxemburg und Österreich.

«Wir wollen die Eigenständigkeit der Stadtwerke sichern und den Klimaschutz voranbringen», nannte der Aufsichtsratsvorsitzende der SüdwestStrom, Boris Palmer, als Grund für den Einstieg in die Windkraft. «Wir sind die ersten, die hier investieren.» Damit werde ein neues Kapitel als erstes von Stadtwerken umgesetzt und nicht von den großen Konzernen. 1,5 Milliarden Euro werden investiert, 500 Millionen davon als Eigenkapital.

Aus der Vogelperspektive wirken die Windräder inmitten von endlosem Wasser wie Spielzeugmühlen. Doch sie ragen 151 Meter in den Himmel und sind damit höher als der Kölner Dom. Der Rotorstern habe einen Durchmesser von 122 Metern und würde auf einem Fußballplatz ausgelegt die Eckfahnen überragen, sagt Stephan Burmann, stellvertretender Geschäftsführer der Bard-Gruppe. Planung und Bau des Parks realisiert das auf Offshore-Windenergie spezialisierte Unternehmen mit Hauptsitz in Emden.

Derzeit arbeiten 60 bis 70 Spezialisten auf der ungewöhnlichen Baustelle mitten Meer. «Gearbeitet wird in 18-Tages-Schichten», sagt Burmann. Geschlafen und gegessen wird derzeit noch auf einem Wohnschiff. Zum Schichtwechsel werden die Männer mit Hubschraubern hin- und hergeflogen.

Neben den drei komplett installierten Anlagen sind drei weitere 490 Tonnen schwere Fundamente fest im Meeresboden verankert. «Das ist das erste Mal, das in dieser Tiefe gearbeitet wird», sagt Burmann. Auch die Wohn- und Trafoplattform «Bard 1» ist fertig, ebenso die «Steckdose» in einem Kilometer Entfernung auf der Plattform «Bauwin 1». «Noch gibt es keine Einspeisung ins Netz», sagt Bard-Sprecher Andreas Kölling. «Wenn das erste Cluster mit acht Anlagen fertig ist, dann wird angeschlossen.» Das werde noch in diesem Jahr erfolgen.

Bis der auf hoher See gewonnene Strom ins Netz und zum Verbraucher fließt, muss er nicht nur einen weit über 200 Kilometer langen Weg zurücklegen, sondern auch in Gleichstrom umgewandelt werden. «Mit der Umwandlung haben wir geringere Stromverluste beim Durchleiten», sagt Kölling. Erst im E.ON-Umspannwerk in Diele bei Weener (Kreis Leer) wird aus dem Gleichstrom wieder Wechselstrom – und dann fließt er zum Kunden.

30 Stadtwerke aus Baden-Württemberg und Bayern gründeten im Jahr 1999 die Stadtwerke-Kooperation Südwestdeutsche Stromhandels GmbH. Im Zuge der Liberalisierung des Energiemarktes wollten sich Stadtwerke durch Kooperationen für den Wettbewerb rüsten. Inzwischen zählt die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH nach Angaben auf der Homepage mehr als 55 Gesellschafter bundesweit.

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