"Europa fiebert" Kolumne des Baselbieter Schriftstellers Claude Lachat


Die HappyTimes-Kolumne des Schriftstellers Claude Lachat

Europa fiebert

Kennen Sie den? Ein Deutscher, ein Zürcher und ein Basler fiebern. Ehrlich gesagt, mir ist die Pointe entfallen, wobei ich jedoch sicher bin, dass keiner dieser Europäer als Witzfigur, gar als krank symbolisiert werden soll. Vielmehr fiebert der Eine im Fussball-Ligaspiel dem HSV entgegen, als Gladbacher auf dem letzten Platz der Bundesliga eine nachvollziehbare, jedoch kränkliche Ausgangslage. Der andere, der Zürcher, fiebert schon seit längerem, ebenfalls in der Liga auf den letzten Plätzen, in der Hoffnung auf Genesung. Und der Basler? Man könnte ihn in dieser Konstellation als rotblaue Schwester mit weisser Haube und rotem Kreuz, immer eine Spritze zur Hand, helfend zur Seite stellen. Fiebern ist in Basel nur hinsichtlich der Frage angesagt, wer Ende Saison Zweiter wird. Auch wenn Ihnen diese Impertinenz die Fieberkurve steigen lässt, einer in dieser Runde wird wohl mit erträglicheren Kopfschmerzen das Wochenende überstehen.

Wir, ich der Basler, der Deutsche und der Zürcher düsen über das mit Baustellen gepflasterte Euroland nach Gladbach und verlustieren uns die Zeit mit der schönsten Nebensache der Welt. Mit bahnbrechenden Debatten über Sieg und Niederlage, wobei ich aus Höflichkeit nicht aus dem vollen (Meister-) Kübel schöpfe, weil mir ansonsten auf der Raststätte der Blick auf die Rücklichter unserer olympisch angehauchten Eurokutsche sicher sein würde.

Ich reisse mich zusammen und bedaure die missliche Lage Deutschlands und Zürichs. Dass der Deutsche eine deftige Drei-Null-Packung im heimischen Stadion hinnehmen musste, damit hatte er nicht gerechnet, vermutlich jedoch geahnt. Dass der Zürcher Verständnis für die morbide Darbietung der Gladbacher aufbrachte, konnte sogar ich als Freund und Helfer nachvollziehen. Mich schaudert es selbst, wenn meine Elf ihr Spiel lediglich mit einem grandiosen Unentschieden gewinnt. Daumen hoch, versuche ich zu retten, was schon auf dem Krankenbett liegt.

Bekenntnisse, Denker und Lenker, Insignien müssen her! Als erstes muss der unglücksbringende Schal, welcher den Deutschen zum Frieren brachte, symbolträchtig auf dem Scheiterhaufen zur Vergangenheitsbewältigung verbrannt werden. Mit meisterlicher Hand segne, beschwöre und beklebe ich nach diesem Akt der Befreiung die deutsche Karosse mit einem auf Gladbach-Logo getrimmten Pflaster. Es soll Glück, Heilung und Mut für die Zukunft bringen. Wir glauben fest daran. Es mutet mystischer an, wenn Okkultismus Teil fiebriger Ereignisse wird.

Ob unsere europäischen Fanatiker mit Klebern und Plakaten verstecken können, was der gemeine Fan im Stadion nicht sehen soll, kann ich als Basler Eidgenosse, trotz Dreiländer-Eck, nicht umfassend beurteilen. Ob Zürich mit Schützenhilfe aus Basel sein Image (auf-) polieren kann, gehört in die verstaubte Schublade der feinen Rhetorik. Es wird immer einen Sieger geben, wie es auch immer einen Patienten geben wird. Die Reise ins germanische Land der nicht drehenden Windräder (damit im grossen Kanton die Kohleproduktion rentiert und den Glaubenden trotzdem der Öko-Gedanke infiziert werden kann) hat mir eines aufgezeigt: gemeinsam leidet es sich am gesündesten. Ist jedoch der Geheilte in der Lage, Balsam auf die Wunden der Siechenden zu schmieren, genesen nicht nur vermeintliche Blessuren, sondern es stärkt das WIR-Gefühl. Liebes Europa, manchmal reicht auch nur schon der gesunde Menschenverstand, um einen Heilungsprozess voran zu treiben. Egal ob einer aus Deutschland, einer aus Zürich oder aus der Meisterstadt kommt.

Buch Vernisage von Claude Lachat am 24. September in Basel

PS: Nicht vergessen: am 24. September 2015 findet in Basel die Buch-Vernissage von Claude Lachat statt: www.basel.com/de/event/buchvernissage-mit-claude-lachat

 

Website von Claude Lachat: www.claude-lachat.ch

 

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Claude Lachat ist Autor und Texter. Sein neuster Krimi Tödliches Rezept - Muttertag zum Zweiten (IL Verlag) ist im Handel unter der ISBN-Nummer 978-3-906240-27-5 erhältlich. Mit persönlicher Widmung des Autors auch per Email unter buch@claude-lachat.ch.

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Bilder: © Claude Lachat

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