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"Besuch der alten Dame" - Schweizerisches Literaturarchiv erwirbt Arche-Verlagsarchiv

Bern, 12.07.2011 - Die erste bekannte Fassung von Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" ist eines der spektakulärsten Dokumente aus dem Archiv des Arche-Verlags. Das Verlagsarchiv bis in die frühen 1980er-Jahre geht demnächst ans Schweizerische Literaturarchiv der Nationalbibliothek.

Mit der Erwerbung des Archivs von Peter Schifferlis Arche-Verlag von 1944 bis 1982 sichert das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) ein nationales Kulturgut ersten Ranges. Möglich wurde dieser Zuwachs dank den Erben Peter Schifferlis sowie durch die Vermittlung des Zürcher Antiquariats Peter Bichsel Fine Books, das bis 16. Juli eine Ausstellung mit Kostbarkeiten aus dem Archiv zeigt.

Die Arche Verlags AG wurde 1944 von Peter Schifferli gegründet. Sie war bis Ende der 1970er Jahre einer der einflussreichsten Schweizer Literaturverlage. Die literarischen Karrieren von Friedrich Dürrenmatt, Hugo Loetscher, Gerold Späth, Adolf Muschg und anderen nahmen hier ihren Anfang. Ausserdem publizierten zahlreiche deutsche Autoren wie Gottfried Benn, Hugo Ball, Werner Bergengruen, Gertrud von Le Fort, Ernst Jünger und Heinrich Böll bei Arche, deren Lizenzen Schifferli in den Nachkriegsjahren erwarb; andere Autoren wie Paul Celan erhielten im Exil Übersetzungsaufträge. Die Bücher der «Arche» zeichneten sich durch eine sorgfältige Aufmachung und qualitätsvolle Illustrationen aus.

Das Verlagsarchiv aus Schifferlis Zeit ist ein erstrangiger Fundus für die Erforschung der Schweizer Literatur und des literarischen Lebens im deutschsprachigen Raum in der Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg. Ebenso bedeutend wie die Manuskripte, Typoskripte und Druckvorstufen sind die Vorlagen für Illustrationen sowie die Korrespondenz zwischen Verlag und Autoren.

Das Schweizerische Literaturarchiv erwirbt die Verlagskorrespondenz sowie die Ma­nu­skripte und weiteren Unterlagen von und zu Friedrich Dürrenmatt. Darüber hinaus erhält das Archiv die Manuskripte inkl. Typo­skripte und Druckfahnen aller übrigen Autoren sowie die Illustrationen als Schen­kung.

Das Archiv der «Arche» ist das erste Verlagsarchiv, das das SLA erwirbt. Ausschlaggebend war, neben seiner grossen kulturpolitischen Bedeutung, der enge Bezug zu Sammlungen, die sich bereits im SLA befinden. Das Arche-Archiv enthält wertvolle Ergänzungen beispielsweise zu den Nachlässen von Friedrich Dürrenmatt und Hugo Loetscher, dem Archiv von Adolf Muschg sowie dem Doppelnachlass Emmy Hennings-Hugo Ball, einem Depositum der Robert Walser-Stiftung im SLA.

Die Erwerbung weiterer für die Schweizer Literatur bedeutender Verlagsarchive ist für die kommenden Jahre geplant. Während der Ankauf mindestens zum Teil aus dem regulären Erwerbsbudget finanziert werden kann, ist das SLA für die Erschliessung und Erforschung weitgehend auf private Mittel angewiesen. Es kann hier auf die Unterstützung des Vereins zur Förderung des Schweizerischen Literaturarchivs zählen. Dieser lanciert in diesem Jahr eine Kampagne zur Beschaffung von Mitteln und verhilft so den ersten bedeutenden Verlagsarchiven zur Bearbeitung ihrer Bestände im Schweizerischen Literaturarchiv.

Ausstellung: Die Arche 1944–1982. Kostbarkeiten aus dem Verlagsarchiv

Peter Bichsel FINE BOOKS, Gerechtigkeitsgasse 2, 8001 Zürich

Mittwoch, 13. Juli bis Freitag, 15. Juli 2011, 14–18 Uhr, Samstag, 16. Juli, 11–16 Uhr

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