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"Freiraum für die Liebe" von Dr. Wolfgang Krüger - Nähe und Abstand in der Partnerschaft

http://www.books.ch/detail/ISBN-9783451610684/Kr%C3%BCger-Wolfgang/Freiraum-f%C3%BCr-die-LiebeJeder sucht in einer Partnerschaft eine stabile Nähe und zugleich Distanz, denn aus diesem Spannungsverhältnis entsteht die Liebe. Doch an diesem Nähe-Distanz-Konflikt scheitert jede zweite Liebesbeziehung - dies ist der Urkonflikt aller Partnerschaftsprobleme. Wir wären daher in den Partnerschaften erheblich glücklicher, wenn wir es lernen würden mehr Nähe herzustellen und die Distanzwünsche des anderen respektieren könnten.

Allerdings sind die Rollenmuster hinsichtlich Nähe/Distanz in den letzten Jahrzehnten immer komplizierter geworden. Zwar streben 70% der Frauen zwischen 20 und 40 Jahren noch immer viel Nähe an, weil sie eine Familie gründen wollen. Doch wenn die Kinder etwas größer geworden sind, wollen Frauen mehr Zeit selbstbestimmt verbringen. 65% der Frauen über 50 Jahren stellten daher fest, sie hätten gern mehr Freiheit, doch 60% ihrer Partner wollten nun mehr Nähe. Freiheitsliebende Frauen treffen dann auf verunsicherte-anhängliche Männer.

Doch damit eine Partnerschaft gelingt, müssen die Nähe-Distanz-Vorstellungen halbwegs übereinstimmen. Wir suchen zwar Nähe, aber der Partner darf die Distanzwünsche nicht missachten. Dies würde immer Abwehrreaktionen auslösen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns einen Partner suchen, der unseren Nähe-, aber auch unseren Distanzvorstellungen entspricht. Der Blick des anderen, seine Bewegungen, seine Ausstrahlung zeigt uns, welches Nähemodell der andere hat. Wir verlieben uns, wenn dies mit unserem Drehbuch der Liebe übereinstimmt und dann kommt es im Sinne des Reißverschlussprinzips (mal stellt sie Nähe her, zieht sich zurück, dann stellt sie Nähe her…) zu einer gegenseitigen Annäherung und man verliebt sich. 70 % Frauen wünschen sich allerdings in dieser Phase mehr Zurückhaltung der Männer.

Damit dann eine belastungsfähige Nähe entsteht, muss ein Bauplan der Liebe eingehalten werden. Wenn der Partner zu wenig Interesse entwickelt, zu wenig Bindung aufbaut, keine gemeinsamen Zukunftsperspektiven entstehen (z.B. Kinder und Heirat) gibt es Bruchstellen der Nähe, an denen die Beziehung scheitern kann. Doch auch wenn sich beide einig sind, dass sie nun eine Partnerschaft führen, beginnen die eigentlichen Nähe-Distanz-Konflikte. Einer der Partner sucht immer mehr Eigenständigkeit, der Partner muss dann die Näheregeln beachten. Dazu gehört das Gummibandprinzip (ziehe ich mich zurück, kommt der Partner), man braucht Freundschaften, um die Distanz des anderen auszuhalten, man muss die eigenen Nähemuster der Kindheit reflektieren. Sonst gibt es Notmuster der Nähe: man wird krank oder wird sogar schwanger, um auf diese Weise die Nähe herzustellen.

Das eigene Nähemuster, aber auch die Distanzwünsche entstehen in der Kindheit aufgrund der Bindungserfahrungen. Wir alle suchen dann eine verlässliche Nähe und Leidenschaft, aber auch Sicherheit. Daraus ergeben sich allerdings Konflikte, die wir dadurch lösen, dass wir die Nähe reduzieren (indem z.B. man ständig streitet oder eine Fernbeziehung führt) oder die Leidenschaft dämpft (Modell Wohngemeinschaft.). Doch am radikalsten ist die Liebesphobie, bei der jede Partnerschaft vermieden wird. Noch vor 10 Jahren rechnete man mit 20% bindungsängstlichen Männern, heute sind ähnlich viele Frauen bindungsängstlich.

Zärtlichkeiten, Küsse, Sexualität und das Gespräch sind die Königwege zur Nähe. Dabei allerdings sind die Bedürfnisse von Frauen und Männern unterschiedlich. 80% der Deutschen finden Zärtlichkeiten wichtig, doch 35% der Frauen wünschen sich mehr Zärtlichkeiten, für Frauen ist auch das Küssen wichtiger als für Männer. 60% verzichten auf einen weiteren Kontakt, wenn Männer nicht gut küssen können und 77% der Männer können nicht gut zuhören.

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Diese Nähe-Distanz-Regulation wird immer wieder neu verhandelt, wenn man zusammenzieht. Sehr verbreitet ist allerdings vor allem in Großstädten das LAT-Modell "Living Apart Together" (getrennt zusammen leben), innerhalb von 14 Jahren ist dies Modell um 15% gestiegen, bei Männern über 38 Jahren sogar um 70%. Wie groß unser Wunsch nach persönlicher Freiheit ist, zeigt auch die Wohnfläche, die von 16 m² im Jahre 1960 auf 41 m² im Jahre 2002 gestiegen ist. Zudem plädieren 37% plädieren aller Deutschen mittlerweile für getrennte Schlafzimmer.

Doch auch wenn eine Partnerschaft gelingt, gibt es immer Nähe-und-Distanz-Konflikte. Und diese verschärfen sich in Belastungssituationen. Obgleich das Kinderglück auch ein Beziehungskitt ist, sind Kinder eine der häufigsten Belastungssituationen. Denn aus einer Liebesbeziehung wird eine Elternschaft, die Nähe ändert sich massiv. Aus diesem Grund wollen 26% der Männer, aber nur 15% der Frauen keine Kinder. Und ein belastender Nähefaktor ist noch immer der Haushalt. Nur 29% der Männer helfen beim Badputzen und bei der Wäsche, doch jede zweite Frau hat mehr Lust auf Nähe und vor allem Zärtlichkeit, wenn der Mann im Haushalt anpackt. Und die Nähe der Partner ändert sich natürlich auch bei schweren Krankheiten, sieben von zehn Deutschen können sich dann auf den Partner verlassen. Und auch bei Arbeitslosigkeit und der Berentung eines Partners muss die Nähe-Distanz-Regulation immer wieder neu gefunden werden.

Die Kunst der Liebe besteht darin, dass man die Straße der Beziehung nicht verlässt. Zuviel Distanz und zu wenig Nähe führen dazu, dass die Liebe scheitert. Der häufigste Trennungsgrund ist mit 37% der Verlust an Nähe. Doch nach einer Trennung leben nach 18 Monaten 70% der Frauen wieder in einer Bindung und über 15% sind sogar in der Lage, mit dem früheren Partner befreundet zu sein.

Freiraum für die Liebe

http://www.dr-wolfgang-krueger.de

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